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Die Maschine von Antikythera
Die Maschine von Antikythera
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Erich von Däniken
Nördlich von Kreta liegt der Kanal von Antikythera, benannt nach den Inseln Kythera und Antikythera. In alten Zeiten, als die Schiffer die Meere nicht quer durchpflügten, sondern aus Sicherheitsgründen stets Land in Sicht haben wollten, kam es immer wieder zu Unglücken. Mal stießen die Kähne in der Dunkelheit zusammen, mal brach Feuer an Bord aus, mal kaperten Seeräuber oder Kriegsschiffe die Barken, oder die Kapitäne steuerten ihre Schiffe in Untiefen. Eines dieser Wracks wurde zufällig von einer griechischen Schiffsbesatzung entdeckt, die sich auf der Flucht vor einem Unwetter in eine Bucht auf der Ostseite von Antikythera gerettet hatte. Eigentlich waren die Männer auf der Suche nach Schwämmen, Muscheln und Perlen, und da man nun schon einmal am Strand von Antikythera übernachtet hatte, war es auch egal, dort anderntags ein bißchen zu tauchen. In 30 Meter Tiefe (bei Ebbe) erblickte der Taucher Elias Stadiatis einen Holzmast und dann die Umrisse eines Schiffes. Aufgeregt informierte er seine Kameraden über die Entdeckung, und alles sprang ins Wasser, um das Schiff zu betrachten - geschehen zwei Tage vor Ostern im Jahr 1900. Während der folgenden Tage brachten die Männer immer mehr Gegenstände an die Oberfläche, und es wurde Zeit, die Behörden zu informieren.

Die Taucherei war lebensgefährlich, denn wegen der Tiefe von 30 Metern konnte jeder nur zweimal täglich nach unten. Es standen keine Sauerstofftanks zur Verfügung, und die Taucher hatten ihre liebe Mühe, das Wrack überhaupt zu erreichen, ein Stück der Ladung in den Korb zu bugsieren, der an einem Seil schaukelte, und sich gleich wieder hochtreiben zu lassen. Unter den damaligen Bedingungen wundert es wenig, wenn zwei Menschen während der Tauchgänge ums Leben kamen und zwei weitere ernsthaft erkrankten.
Über Monate gelangten Figürchen, Münzen, zwei bronzene Arme, blaue Vasen und sogar kleinere Marmorstatuen, die später mit etwa 80 vor Christus datiert wurden, ans Tageslicht. Schließlich erblickte einer der Männer im dunklen Wasser so etwas wie ein rechteckiges Gebilde, überwuchert mit Muscheln, Kalk und korrodierenden Metallklümpchen. Der Taucher wußte nicht, was ihm in die Hände gefallen war. Im Verlauf der darauffolgenden Tage wurden zusätzliche Bruchstücke an die Oberfläche befördert, doch vorerst erkannte auch der an Bord befindliche Archäologe die Bedeutung des einzigartigen Fundes nicht.
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Im Griechischen Nationalmuseum von Athen wurde das unförmige Gebilde chemisch behandelt, um verdeckte Schichten freizulegen. Die Konservatoren staunten nicht schlecht, als sie plötzlich drei Zahnräder erblickten, die durch zwei kreuzförmig angelegte Metalleisten zusammengehalten waren. Dann zerbröckelte ein gerade mal zwei Millimeter dickes Zahnrädchen zwischen den Pinseln der Konservatoren. Jetzt begriffen die Männer, daß es sich um eine technische Apparatur handelte, und auch, daß nun Spezialisten gefragt waren.
Einer der Studenten, die damals mit Pinzetten die einzelnen Zahnrädchen zum Trocknen auslegten und mit Chemikalien reinigten, hieß Valerio Stais. Er wurde später Archäologe und war der erste, dem in den halbdunklen Räumen des Griechischen Nationalmuseums ein Licht aufging. Inzwischen waren nämlich über 30 Zahnrädchen unterschiedlicher Größe zum Vorschein gekommen und auch einige Buchstaben in altgriechischer Schrift. Die Apparatur hatte ganz offensichtlich etwas mit Astronomie zu tun. Dies erklärte Valerio Stais einem Journalisten - worauf er von den Fachleuten beschimpft wurde.
In den nachfolgenden Jahren nahmen sich mehrere echte und selbsternannte Spezialisten der »Maschine von Antikythera« - wie sie inzwischen hieß - an. Wie üblich mit unterschiedlichen Resultaten. Im Sommer 1958 erhielt der junge, englische Mathematiker Dr. Derek J. Solla Price die Erlaubnis, das heikle antike Stück zu untersuchen. Erst jetzt - 55 Jahre nach der Entdeckung - durfte ein Mathematiker, der auch Astronomie studiert hatte, an die Arbeit gehen. Dr. Solla Price wurde später Professor für Wissenschaftsgeschichte an der Yale-Universität in den USA. Er veröffentlichte die einzigen gründlichen Arbeiten über die »Maschine von Antikythera« und verhehlte dabei nicht sein großes Erstaunen über diesen Fund."
Die Metallteilchen bestanden aus reiner Bronze oder Kupfer-Zinn-Legierungen mit unterschiedlichen Mischungen. Auch geringe Anteile von Gold, Nickel, Arsen, Natrium, Eisen und Antimon konnten festgestellt werden. Die eingravierten griechischen Buchstaben, die nur noch fragmentarisch entzifferbar waren, belegten klipp und klar die astronomische Bedeutung des seltenen Fundes. Da tauchten Wörter auf wie »... am Abend der Stier...«, »...sinkt Wega am Abend...«, »...die Plejaden gehen am Morgen«. Oder Sternennamen und Konstellationen wie »Zwillinge, Altair, Arkturus«. Unterbrochen wurde der Text durch vereinzelte, gravierte Zahlen. Schließlich waren auf der Apparatur noch drei ehemals runde Skalen mit Millimeterstrichen, vergleichbar einem Rechenschieber, zu erkennen. Über 30 Zahnrädchen unterschiedlicher Größe griffen ineinander und waren durch kleine Achsen auf einer Kupferplatte befestigt. Sogar Differentialrädchen waren Bestandteil der Maschine. Sie sorgten offenbar dafür, daß auf der Skala die Relationen der unterschiedlichen Gestirnspositionen zueinander abgelesen werden konnten. Das klingt kompliziert, muß es aber nicht sein: Wenn die Plejaden am Punkt X aufgehen, wo steht dann der Stern Altair? Ablesbar waren aber auch die Positionen des Mondes in Relation zur Sonne und zur Erde oder der Auf- und Niedergang des Sirius im Vergleich zu Wega.
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Offenbar war die Maschine von Antikythera einige Jahrhunderte vor der Zeitenwende gebaut worden; doch mußte dies in irgendeinem Geheimlabor geschehen sein, denn die Erkenntnisse, die sich aus der Apparatur beziehen ließen, paßten hinten und vorne nicht in das astronomische Wissen von damals. Dies galt aber auch für die angewandte Technologie und Feinmechanik. Professor Solla Price sagte nach jahrelanger Beschäftigung mit der Maschine von Antikythera bei einem Vortrag in Washington, ihm komme das Ganze vor, als sei im Grab des Tut-enchamun in Ägypten ein Düsentriebwerk gefunden worden. Dabei weiß Solla Price selbstverständlich ganz genau, daß gerade die alten Griechen hervorragende Mathematiker und Tüftler hervorgebracht haben: etwa Aristoteles (384-322 v. Chr.) oder Archimedes (285-212 v. Chr.).
Auch ist bekannt, daß die Araber über brillante Astronomen verfügten und um das Jahr 1000 unserer Zeitrechnung mechanisch funktionierende Kalender, sogenannte Astrolabien, herstellten. Doch all dies ließ sich nicht mit den Erkenntnissen vereinbaren, welche die Maschine von Antikythera in sich barg. Solla Price:8' »Entweder stellt die Maschine von Antikythera die fortschrittliche Linie eines Prozesses dar, über den nie geschrieben wurde, oder sie ist der massive Eingriff eines unbekannten Genies.« Und weiter: »Selbst wenn man die weitest möglichen Grenzen in bezug auf die Datierung berücksichtigt, muß klar sein, daß wir etwas viel Komplizierteres vor uns haben als alles, was in der antiken Literatur je erwähnt wurde.«
Gerade ein Mann wie Professor Solla Price, der sich als einziger jahrzehntelang mit dem Wunderwerk von Antikythera auseinandersetzte und die gesamte antike Literatur über Mechanik, Mathematik und Astronomie zu Rate zog, meint am Ende seiner Untersuchungen: »Mit dem Mechanismus von Antikythera sind wir mit einem variantenreichen Phänomen konfrontiert: mit dem der High-Technology. Dies ist der Name, mit dem wir speziell fortschrittliche Entwicklungen in der Wissenschaft bezeichnen.«
Nahezu 90 Jahre lang wurde die Maschine von Antikythera einem breiten Publikum vorenthalten. Neuerdings sind mehrere Einzelteile davon in einem Glaskasten des Griechischen Nationalmuseums in Athen zu bestaunen. Die von Scheinwerfern angestrahlte Apparatur lehrt uns, wie wenig wir über die Kenntnisse wissen, welche die Götterabkömmlinge ihren Lieblingen zuflüsterten. Sie demonstriert auch, wie dumpf und denkfaul unsere Mitnickergesellschaft geworden ist. Da liegt eine High-techApparatur mit Zahnrädern von bis zu 240 Zähnen vor uns, die gerade mal um ein Hundertstel Millimeter differieren. Wären die Abweichungen größer, so würde die Skala falsche Werte liefern.
Dieses technische Wunderwerk wird nirgendwo in der antiken Literatur erwähnt, obwohl sein Auftauchen in aller Munde gewesen sein müßte. Wo sind seine Vorläufer? Ohne die geht es nicht, weil sonst kein noch so genialer Feinmechaniker die Maschine sozusagen »aus dem Stand heraus« konstruieren konnte. Und wenn es diese Vorläufer gab, weshalb erwähnt sie keiner der Dichter und Historiker, die doch auch sonst jedes wichtige Detail notierten? (Nachläuferapparaturen von viel bescheidenerer Mechanik gab's, doch dies ist eine andere Geschichte.) Und woher kam eigentlich das astronomische Wissen, das hinter diesem Wunderwerk steht? Der Mensch guckt in den Glaskasten im Nationalmuseum von Athen und denkt sich: Na, irgendwie müssen es die Alten eben geschafft haben! Merke: Es fallen keine Genies vom Himmel.
Die Maschine von Antikythera war im »Handtaschenformat« angefertigt, etwa in der Größe einer tragbaren Schreibmaschine. Sie konnte leicht von einem Götterpalast in einen anderen befördert werden. Auch an Bord einer der fliegenden Kisten der Vorgeschichte hätte der Mechanismus gute Dienste geleistet, schließlich galt es, überall die Menschen zu beeindrucken und eine Priesterkaste heranzuzüchten, die den Göttern diente. Der fliegende Salomon benötigte - wie auch die indischen Königsfamilien, die genauso den Luftraum beherrschten" -, zweifellos Navigationsinstrumente. So verwundert es nicht, wenn arabische Historiker überliefern, Salomon habe in seinem »Wagen, der durch die Lüfte fuhr« einen Zauberspiegel verwendet, »der ihm alle Orte der Welt enthüllte«83. Dieses Wunderwerk war »zusammengesetzt aus verschiedenen Substanzen« und ermöglichte es dem König auf seinem fliegenden Teppich, »in alle sieben Klimas zu sehen«. Und Abdul Al-Mas'üdi (895-956), Arabiens bedeutendster Geograph und Historiker, schrieb in seinen »Historien«, auf jenen Bergspitzen, auf denen Salomon offensichtlich nachtankte, habe es wunderbare Wände gegeben, die Salomon »die Himmelskörper zeigten, die Sterne, die Erde mit ihren Kontinenten und Meeren, die bewohnten Landstriche, ihre Pflanzen und Tiere und viele andere erstaunliche Dinge«. Sie waren wohl mindestens so erstaunlich wie die Maschine von Antikythera.
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Quelle: EvD, Im Namen von Zeus, Bertelsmann 1999
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